18. August 2026
Kultur

Zwischen Ironie und Begeisterung: Schlotterbeck und Tah über WM-Songs

Die WM-Songs sind oft mehr als nur musikalische Begleiter. Schlotterbeck und Tah geben Einblicke in die kurvenreiche Welt dieser ungewöhnlichen Hymnen.

vonJonas Richter7. Juli 20262 Min Lesezeit

Ein leicht ironisches Lächeln umspielt die Lippen von Nico Schlotterbeck, als er von den diesjährigen WM-Songs spricht. In einer kleinen, schummrigen Umkleidekabine nach einem Trainingstag, umgeben von dem Geruch frisch gewaschener Trikots und dem hallenden Echo von ballistischen Schüssen, lässt er die eingängigen Melodien Revue passieren. Die großen Hits kommen und gehen, doch die kurvenreiche Anordnung von Beats und Refrains, die uns während des Turniers umkreisen, bringt ihn zum Schmunzeln.

Hierbei lohnt sich ein Blick auf die Bedeutung der WM-Songs im Kontext der Kultur. Sie sind nicht bloß musikalische Untermalung, sondern tragen das Gewicht von Emotionen, Erinnerungen und nicht zuletzt einer gewaltigen Portion Nostalgie. Die Melodien werden selbst zu einem Teil der Fankultur, sie schaffen eine Art universelle Sprache, die selbst die größten Fußballmuffel zum Mitsingen anregt. Das ist nicht immer von hoher musikalischer Qualität, doch das macht den Charme dieser Stücke aus. Schlotterbeck selbst fragt mit einem Augenzwinkern: „Hört man den Song wirklich wegen der Musik oder eher deswegen, weil man die ganze Geschichte drumherum kennt?“

Tahs kritischer Blick auf die Melodien

Auf der anderen Seite sitzt mit Moussa Tah ein Spieler, der eher skeptisch beäugt, was als WM-Hymne verkauft wird. „Die Songs sollen eigentlich motivieren, doch oft sind sie eher ein Ohrwurm, der bleibt, weil er einfach so schrecklich ist“, meint er und lässt ein Lachen aufblitzen, das kaum mit den ernsthaften Worten im Einklang steht. Sein kritischer Blick ist nicht unberechtigt. Tatsächlich hören wir oft Dinge, die uns eher verwirren als inspirieren. Die Mischung aus schrägen Klängen, kitschigen Texten und dem Drang, alles „einladend“ zu gestalten, führt nicht selten zu einem Gefühl der Fremdscham.

Doch es ist mehr als nur ein musikalisches Missverständnis. Diese Songs sind ein Abbild der Zeit, in der sie entstehen. Sie spiegeln die kulturellen Trends wider, die zu einem bestimmten Moment in der Gesellschaft dominieren. Es ist nicht zuletzt der Versuch, den Massengeschmack zu treffen, auch wenn dies oft ins Gegenteil umschlägt.

Die unverhoffte Gemeinsamkeit

Trotz aller Kritik ist die Diskrepanz zwischen Freude und Frustration, die die WM-Songs hervorrufen, auch eine Art Bindeglied unter Fans. „Letztlich können wir darüber lachen“, sagt Schlotterbeck, und Tah nickt zustimmend. Es ist fast so, als wären diese Lieder das unvermeidliche Übel, das jeder Fan während der WM ertragen muss, um Teil der Gemeinschaft zu sein. Ein bisschen Ironie, ein bisschen Selbstbetrug – und schon findet man sich inmitten jubelnder Menschenmengen wieder.

In gewisser Weise ist die populäre Musik, die bei sportlichen Großereignissen während der WM erklingt, wie der Fußball selbst: sie verbindet, auch wenn man manchmal nicht recht weiß, warum.

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